Zitate von Quint Buchholz

Ich glaube aber, daß alle meine Bilder etwas mit der Erinnerung zu tun haben. Daß die Eindrücke aus dem Heute immer in irgendeiner Weise andocken können müssen an diesen häufig ja gar nicht bewußt erinnerten Kindheitsbildern, an jenen ganz persönlichen „Ur-Gefühlen“, die einen ein Leben lang prägen.
(2002)

Es geht viel um Licht und um Atmosphäre. Meine Malerei ist so, weil sie eine bestimmte Atmosphäre schaffen will, in der sie von Möglichkeiten erzählen kann. Wenn sie funktionieren, sind meine Bilder offene Geschichten, ohne Anfang und ohne Ende. Und sie brauchen den Betrachter, der Lust bekommt, sie als seine eigenen weiter zu erzählen. Der sich auf seine Weise in den Räumen der Bilder bewegt.
(2009)

Interessant ist Kunst doch dann, wenn sie einen stimuliert. Vielleicht werde ich aufgewühlt, vielleicht komme ich zur Ruhe. Vielleicht entdecke ich die Möglichkeit, einen Teil dieser Welt neu zu sehen, vielleicht finde ich ein Stück meiner eigenen Sehnsucht. Ich kann etwas fühlen oder begreifen. Ich kann klüger werden oder wütend, genau so gut aber heiter, gelassen oder still.
Es gibt in der Kunstszene schon seit langem ein Diktat des Aufgeregtwerdenmüssens, aber das ist eine Erfindung, die die verschiedenen Farben des Menschseins nicht erfasst.
(2009)

Das Führerhaus der Lokomotive Emma und die Küche von Frau Waas, wenn es regnete: Geborgener als dort konnte man gar nicht sein, ganz gleich wie groß all die Abenteuer und Gefahren auch sein mochten, die draußen in der weiten Welt auf einen warteten.
Dieser Sehnsuchtsort Emma wurde also aus Pappe nachgebaut, nach eigenem Konstruktionsplan und mit nachempfundener original-trippscher Schwarzweiß-Strichelbemalung.
Lange Zeit war ich trotz gegenteiliger Begründungen meiner großen Geschwister felsenfest überzeugt davon, dass ein Perpetummobil wirklich funktionieren kann. Hierzu gab es auch mehrere Versuchsreihen.
Und schließlich war der freundliche, sanfte Herr Tur Tur der erste Vegetarier, den ich kennen und schätzen lernte. Auch das wurde zu einer prägenden Erfahrung.
Jim Knopf und Lukas waren Helden meiner Kindheit und sind es im Gegensatz zu anderen bis heute geblieben. In diesen beiden Büchern habe ich gewohnt. Lummerland war mal meine Heimat.
(Text zum Jim Knopf Jahr in Gengenbach 2010)

Seit einigen Jahren habe ich mir angewöhnt, ein Bild fertig zu malen, wenn ich es einmal angefangen habe, ganz egal, wie viele Zweifel es unterwegs auch geben mag. Es gibt sie immer, und trotzdem versuche ich zu lernen, mich einem Bild ganz ohne Zögern anzuvertrauen.
Meistens erst ganz am Ende des Malprozesses verlieren meine Bilder das Ungefähre. Sie bekommen Halt und Ruhe. Die Farben finden einen gemeinsamen Klang. In den letzten Tagen der Arbeit fängt ein Bild oft an zu leuchten, als würde jemand ganz langsam das Licht andrehen.
Auch das Malen selbst verlangsamt sich an solchen letzten Tagen. Oft sitze ich dann vor der Staffelei und schaue nur noch. (...)
Man muss beim Malen nicht nur herausfinden, was man selber weiß und will, sondern auch dem vertrauen, was das Bild will. Während der Arbeit ist das eine zentrale Frage: dieses Verhältnis zwischen Wollen und sich Hingeben immer wieder neu auszuloten. Picasso hat dieses Spannungsfeld, in dem ja nicht nur die einzelnen Bilder entstehen, sondern auch ein ganzes Buch wie dieses, einmal so umschrieben: Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden. Er spricht dabei über die Kunst, erzählt aber gleichzeitig vom Leben, von Gott.
(Aus dem Nachwort zu Die Bibel in Bildern von Quint Buchholz 2010)

Manchmal denke ich, dass ich diesen Beruf genau deshalb gewählt habe: Weil er viel mit dem Für-sich-Sein zu tun hat. In unserer Zeit ist das Alleinsein sehr negativ besetzt, aber ich glaube, dass man viele Dinge überhaupt nur sehen kann, wenn man nicht ununterbrochen mit anderen Menschen zusammen ist und sich irgendwo anstöpselt und mit Dingen zupappt. Man kriegt nicht raus, wo es langgeht, wenn man dauernd wuselt und macht und tut. Das kriegt man nur raus, wenn man irgendwo sitzt und in die Luft guckt.
(Interview mit Petra Pluwatsch im Kölner Stadtanzeiger 18./19. Dezember 2010)